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Carlos Gilly

Der Paracelsus-Einblattdruck des Matthis Quad von 1606. Kritische Überlegungen über die sogenannten Rosenkreuzer-Bildnisse des Paracelsus




Abb. 1
Matthis Quad von Kinckelbach, Paracelsus-Flugblatt.
Nürnberg, auf Kosten von Balthasar Caymox, 1606

Kupferstich, 21'5 x 32'5 cm (bzw. 43'5 x 39'5 cm bei dem vollständigen Exemplar der UB Basel mit den dazugehörenden Beilagen und dem Impressum auf den aufgeklebten Randblättern). Exemplare des Kupferstichs ohne die gedruckten Beilagen befinden sich in der Bibliotheca Philosophica Hermetica Amsterdam, in der TH Braunschweig, im Museum Carolino Augusteum Salzburg, in der Albertina Wien und in der ZB Zürich. Der Kupferstich ist in der paracelsischen Literatur seit 1900 mindestens 20 Mal in Faksimile reproduziert worden.

Abb. 2
Balthasar Jenichen, Paracelsus-Flugblatt.
Nürnberg, nicht vor 1605


Erstveröffentlichung dieses Artikel in: [C. Gilly], Paracelsus in der Bibliotheca Philosophica Hermetica. Ausstellung zum 500. Geburtsjahr des Theophrastus Bombast von Hohenheim, Paracelsus genannt. Amsterdam,1993, S. 11-27

Bis heute war es niemandem gelungen, den Künstler oder das Entstehungsdatum dieses immerhin vollständigsten unter den sogenannten Rosenkreuzer-Bildnissen des Paracelsus zu ermitteln (Abb. 1). Der Grund dafür lag vor allem in der erstaunlichen Regelmässigkeit, mit der so unterschiedliche Paracelsusforscher wie J. Jacobi, J. Strebel, R.H. Blaser, E. Kaiser, H. Schipperges, J.B. Dallett und H. Rudolph dieses Quad-Flugblatt in Gross-Folio mit dem Jenichen-Flugblatt in Klein-Folio (Abb. 2) immer wieder verwechselt und mit der entsprechenden falschen Zuschreibung auch oft reproduziert haben. Hätten diese Forscher den Ausführungen von Chr. G. von Murr von 1799 oder denjenigen von Karl Aberle von 1891 mehr Aufmerksamkeit geschenkt, so hätten sie leicht feststellen können, dass es sich um zwei ganz verschiedene Blätter handelte, denn sowohl von Murr (pp. 249-252) wie auch Aberle (Bild 53 und 54) hatten beide Blätter in aller Ausführlichkeit beschrieben. Da aber auch Aberle bei der Datierung des Jenichen-Flugblatts ("vor 1565") und der Zuschreibung des Quad-Blattes (an "Abraham Hooghenbergh", "Köln", "vor 1606") folgenschwere Fehler unterlaufen sind, so haben auch diese Fehler die Lösung des Problems noch weiter erschwert. Dies beweisen auch die kürzlich erschienenen Studien von Louise Gnädinger und Ingonda Hannesschläger zu diesen Flugblättern: Obwohl sich beide Forscherinnen eingehend sowohl mit der Radierung Jenichens wie auch mit unserem Kupferstich beschäftigt haben, begnügten sie sich damit, Aberle's Angaben zu wiederholen oder sie höchstens mit einem Fragezeichen zu versehen.

Das Datum "vor 1606" hatte Aberle deswegen gesetzt, weil ihm eine Äusserung von J.Chr. Adelung aus der Geschichte der menschlichen Narrheit (1785-1789) bekannt war, wonach E.D. Colberg den Matthis Quad "als den Stecher eines Bildes angegeben, welches 1606 als Flugblatt von Camoxius in Nürnberg verlegt ward". Da sich aber Aberle bei der Zuschreibung des Gross-Folio Flugblatts bereits für Hooghenbergh entschieden hatte, so musste er ein anderes Blatt für Quad finden, was ihm offenbar auch gelang: Er schrieb ihm das im 18. Band von P. Mortzfelds Katalog der graphischen Porträts in der HAB Wolfenbüttel unter A 15921 abgebildete Paracelsus-Porträt in-Quarto zu. Hätte sich Aberle jedoch nicht mit dem Zitat von Adelung begnügt, sondern die entsprechende Stelle in Colbergs berüchtigtem Werk Das Platonisch-Hermetisches Christenthum von 1690 selber nachgeschlagen, so hätte er sofort erkannt, dass es sich bei dem hier beschriebenen Quad-Flugblatt doch um dasjenige in Gross-Folio handeln musste. Denn Colberg hatte geschrieben: "Seine Schüler rühmen ihn (Paracelsus) trefflich hoch/ wie sie denn über seinen in Kupffer vom Matthia Quado gestochenem/ und Anno 1606 sumptibus Balthasaris Camoxii zu Nürnberg herausgegebenem Bildniß/ diesen Titel gesetzet: Aureolus Philippus Theophrastus Paracelsus, ex familia Bombastorum ab Hohenheim, Philosophus, Medicus, Mathematicus, Chimista, Cabalista, rerum naturae industrius indagator: Alterius non sit qui suus esse potest". Bis auf die Majuskeln und den Druckfehler "BROMBASTORUM", den Colberg stillschweigend korrigiert hat, stimmt diese Beschreibung nur mit unserem Gross-Folio Flugblatt überein.

Aber auch diesen Vergleich können wir uns heute sparen, denn in der Universitätsbibliothek Basel befindet sich, ausser zwei Exemplaren der Jenichen-Radierung in Klein-Folio, auch ein vollständiges Exemplar (Kupferstich mit dem dazu gehörenden gedruckten Text) des Gross-Folio Flugblattes, das trotz der dort 1941 und 1953 stattgefundenen Paracelsus-Ausstellungen von der bisherigen Forschung völlig unbeachtet geblieben ist. Und hier lautet doch das Impressum: "MATTHIAS QUADUS CAELATOR. NORIBERGAE. Sumtibus Balthasaris Camoxij. anno Salutis M D C V I."

Matthis Quad von Kinckelbach (1557-ca 1610) ist in Deventer geboren worden und hat sich nicht nur als Kupferstecher und Holzschnittschneider, sondern auch als Dichter und Verfasser von geographischen Werken einen Namen gemacht. Er gehörte zu den radikalen Erasmianern und Schwenckfeldianern um den Dichter Karel Utenhove und so galt sein Interesse für Paracelsus eher dem Theologen als dem Mediziner. In seinem bekanntesten Werk Teutscher Nation Herligkeitt (Köln 1609), in dem Quad auch die niederländischen Provinzen mit einer Fülle von sonst nicht sehr bekannten Anekdoten beschreibt, verfasste er für das Kapitel über Salzburg eine Kurzbiographie des Paracelsus, deren Elemente er zumeist aus dem eigenen Flugblatt entnahm, auch wenn sich Quad "wegen der vnfreiheit des orts" oder aus Angst vor dem Zensur viel vorsichtiger ausdruckte.

"In dieser Statt Saltzburg siehet man auch die begrebnus des weltbekanten vnd erhabenen Doctoris Philippi Theophrasti mit dem zunahmen Paracelsi/ des furtrefflichen Medici/ Mathematici/ Chimisten/ Caballisten/ Philosophen/ vnd tieffsinnigen erkunder der Naturen/ welche vormals etliche jahren in der vniversitet zu Basel/ vff der Statt besoldung/ mit verwunderung vieler menschen/ die Medicinam vff eine newe vnd den Alten schier gantz widerwertige weise geleret. Sol nit allein dem Galeno fast zuwider/ sonder auch den Auicennam alda in offentlicher vniversitet verbrant haben. In seinem sterb beth hat er all sein gut (welches nicht gering gewesen) den armen besetzt vnd anno 1541 den 24 Sept[embris] ist er wie man vermutet/ seliglich verscheiden/ vnd alhie zur Erden bestattet worden. Er ist seines herkommen halben ein Edler auß dem geschlecht von Brombast gewesen/ vnd ein Natürlicher aus einem Commentheur Teutsches Ordens zu Adenaw in der Eyffel/ alda auch das Wapen noch in der Kirchen gefunden wirt. Er ist al sein leben ein Einsidler und ohn frawen erkantnus gewesen: wil solches wol seiner keuschheit nicht vnzugemessen lassen/ jedoch werden noch wol tausent sein, so dieses nit wissen: Nach dem sein Vatter gesehen, das ein sonderlich vnd kein gemeiner geist vnd verstant in ihm stecken thet/ hat er ihn (damit er sich durch verweibung nit verdurbe) in der jugent castriren lassen (Ich denck aber wol/ weil der vatter ein Ordens Herr gewesen/ wird er den stam durch diesen gern zeitlich abgehawen han) vnd ihn auff das studiren gehalten/ auch daran nixt gesparet. [Nach dem Bericht von Theodor Zwinger wurde der fünfjährige Knabe vielmehr "von einem Schweine combabisirt", als er sich notwendiger Ursachen wegen im Hofe der Wohnung seines Vaters im Dorfe Gaiß auf einem Misthaufen befand.] Er hat viel wundere vnd seltzame Schriften nachgelassen/ deren Ich zimlich viel gesehen/ aber nur etwas dauon gelesen. Die i[h]n erheben wollen, sollen schier gantz einen Abgott von ihm machen; die anderen, so ihm zuwider, sollen schier einen gantzen atheum auß ihm machen/ vnd ich hab etliche argumenta sehr hogverstendiger leuth wider ihn gelesen/ die mir (vnd wan ich schon ein Ertz Paracelsist were) schwerlich vnd mühlich solten sein zu wider legen/ wil vnder vielen nur eins hiehin setzen/ welches aber allein den gelerten wird gepredigt sein: Judicium sapientium (spricht der Autor) de Paracelso qui arroganter Theophrastum se vocitarit: 'Impius fuit et blasphemus in Deum (videatur Archidoxis magica, Liber Azoth, et de efficacia characterum), contumeliosus in naturam, omnium bonorum turpis et scurrilis calumniator, videatur Paragranum etc. quare in numero Philosophorum non est habendus. Hoc judicium si cui dat nauseam, is tam diu vomat ac singultiat, quousque praedictos Paracelsi libros totum perlegerit, et a colluuiis Paracelsica sordidus ventriculus fuerit expurgatus. A castis igitur et piis scholis sit relegatus grex Paracelsicus'. Diß ist ein scharpffe red/ wer kan sie fassen. Für mein person wurd ich vom gantzen opere Brombastico sagen/ welches Reuchlinus seliger von den Talmudischen Buchern auch sagte: al sind sie schon vielen sehr schedlich zu lesen/ so wurd mich gleichwols bedawren, das man seine bucher drumb vertilgen solt/ dieweil auch noch etwas gutes vnnd nützliches daraus mag erschopfft werden. Aber wenn es mir von wegen der vnfreiheit des orts gestattet wurde, mein geringes iudicium auch vber den guten Physicum zu geben/ so wurde Ich zwar noch einige seiner tugent herfur bringen, deren i[h]n niemant lichtlich wurd priuiren kunnen oder auch begeren; vnd hergegen auch so viel kindische vnd abergleubische tatelungen, welche einem alten weibe am Spinrocken vbel gnug angestanden hetten/ ich geschweig einem so ernsthafften Philosopho, das ein sonderlich ingenium in i[h]m gesteckt habe/ vel ipse frons arguit [wie an seinem Stirn zu sehen ist]/ dan er vber alle massen calvus [kahlköpfig] gewesen/ vnd seine physiognomei einen rechten spiritum magicum mit bringt mit grösser gravitet dan des Cornelii Agrippae oder Alberti. So viel hievon."

Bei der Anfertigung des Flugblattes hat Matthis Quad mindestens folgende paracelsischen Werke benutzt: Birckmanns Kölner Ausgaben der Astronomica et Astrologica und der Philosophia Magna von 1567 mit der ersten Fassung des sogenannten Rosenkreuzerporträts Hohenheims und den zwei langen Lobgedichten auf Paracelsus, die er auf den Randstreifen abgedruckt hat.



Das sogennante Rosenkreuzerporträt
aus: Paraclesus, Astronomica et Astrologica. 1567

Ferner die Pariser Ausgabe des De vita longa mit dem Kommentar von Jacques Gohory, die Icones virorum illustrium des J.J. Boissard, die 1598 bei de Bry in Frankfurt erschienen waren, sowie das mit Holzschnitten reich illustrierte Werk des Balthasar Jenichen, Bildnüss und Abcontrafactur etzlicher Vornemer Gelerten Menner, durch welche Gott aus sonderbarer gnade die rechte reine Warheit des h. Evangelii zu diesen unsern letzten zeiten an tag hat kommen lassen, Dresden 1588, mit dem Paracelsusporträt von 1572. Als Modell und unmittelbare Vorlage verfügte er natürlich über das Klein-Folio Flugblatt desselben Jenichen, das es zu kopieren, zu ergänzen und, wohl im Auftrag des Nürnberger Druckers Caymox, auch nachzudrucken galt.

Dieses unsignierte und undatierte Klein-Folio Flugblatt wurde erst 1865 von A. Andresen als Werk des Kupferstechers und Verlegers von Nürnberg, Balthasar Jenichen, aufgeführt. Aber weder Andresen noch der neueste Bearbeiter von Jenichens Werk, Robert Zijlma, haben sich über das mögliche Entstehungsdatum geäussert. Das von Aberle vorgeschlagene Datum "vor 1565" ist eine reine Vermutung, die sich bloss auf dem Satz "Nach meinem Tod bei 20 Jahren" in der Prophezei "Auf diese gegenwärtige Zeit" zu stützen vermag. Da Jenichen, wie Zijlma und Benzing schreiben, wohl kurz vor 1621 gestorben ist, (in diesem Jahr nämlich verkaufte seine Witwe in Nürnberg die von ihm hinterlassenen Kupferplatten), so könnte man das Entstehungsdatum der Kupferplatte bzw. die Publikation des Blattes auch zu einem viel späteren Datum ansetzen. Der Satz auf dem mittleren Gedicht "Aus seinen bey vierhundert Schriften [...] lernen Ärzte, Theologi, Juristen" kann sich schwerlich auf die Anfangsjahre der Publikation des paracelsischen Nachlasses beziehen, und Jenichens Paracelsus-Holzschnitt von 1572 wurde ja erst 1588 veröffentlicht. Für eine spätere Datierung spricht auch das Argument "ex silentio" (kein Befürworter oder Gegner des Paracelsus hat im 16. Jahrhundert dieses immerhin provokative Flugblatt je erwähnt!) und nicht zuletzt die vier Bibelverse am Ende des Blattes: Von allen Bibelsprüchen, die Matthis Quad aus der Jenichen-Vorlage aufgenommen hat, befinden sich nur eben diese vier in der sogenannten Kleine Handt-Bibel des Pseudo-Paracelsus, die erst 1605 gedruckt worden ist. Es wäre also durchaus nicht abwegig, zu der Hypothese zu gelangen, der Verleger Caymox habe das Blatt des in Nürnberg wohnenden Jenichen zuerst verlegt und, wohl unzufrieden mit dessen nicht gerade regelmässigen Schriftzügen, die Anfertigung eines neuen Blatts dem Matthis Quad in Köln in Auftrag gegeben. Quad scheint auf jeden Fall die Arbeiten seines Vorgängers nicht sehr geschätzt zu haben, denn in der langen Aufzählung von zeitgenössischen Kupferstechern am Schluss der Teutschen Nation Herligkeitt fand es Quad nicht einmal für nötig, den Namen Jenichen auch nur zu erwähnen.


Die gedruckten Beilagen zum Kupferstich in dem vollständigen Basler Exemplar des Einblattdrucks

Das Basler Exemplar von Quads Flugblatt beginnt mit einem Hinweis auf das Bild: "Vides hic, lector optime, depictum virum in doctrina sua mirabilem et minime vulgarem et ingenium varijs hominum judicijs ac censuris expositum, quorum è quam plurimis vnum saltem atque alterum exemplum subijciemus" (Hier siehst Du, bester Leser, das Bild eines Mannes, der in seiner Lehre wunderbar und alles andere als gewöhnlich war, und dessen geistiges Talent deswegen den unterschiedlichsten Beurteilungen der Zeitgenossen augesetzt wurde, wie Dir die folgenden ausgewählten Beispiele belegen mögen).

Als erstes Beispiel hat Matthias Quad ein angeblich anonymes Lobgedicht ("Corpore tale erat Theophrastus is alter Apollo") gesetzt, das aber bereits 1567 mit den Initialen des bekannten Paracelsisten "B[althasar] F[löter] S[aganus] S[ilesius] Philalethes f." als Auslegung und Beschreibung des dort abgedruckten Paracelsus-Porträts in den Kölner Ausgaben der Astronomica und der Philosophia Magna veröffentlicht worden war. Dieser meines Wissens noch nie übersetzte Gesang auf Paracelsus (In Theophrasti Paracelsi icona, carmen) würde auf Deutsch etwa lauten:

"Ein zweiter Apollo war dieser Theophrastus dem Körper nach, und wie er im Inneren dem Geiste nach aussah, hätte nicht einmal der grosse Maler Apelles auf die Leinwand zu bringen vermocht.

Er hat den Aussatz, die Schwind- und Wassersucht selbst fortgenommen und wie ein neuer Hermes verstand er es auch, den göttlichen Azoth hervorzubringen. Unter allen Doktoren war er der gelehrteste Doktor und dies sowohl in der Medizin wie auch in jeder Sparte der Weisheit, welcher Du Dich, O Liebhaber der Künste, auch immer zu widmen pflegst.

Ihn musst Du nun von neuem lesen, und sobald Du die Regeln des Paracelsus aus dem Buch Paramirum gelernt hast, so wirst Du keinen Misserfolg mehr kennen.

Nimm dann das Buch Paragranum zur Hand, und wenn Du die Lehrsätze des Paracelsus richtig begriffen hast, wirst Du sogleich damit aufhören, die schändlichen Fehler der umherirrenden Ärzte nachzuäffen.

Folge dem Paracelsus nach und lasse und verlasse für immer die unnütze Lehre des Galen samt dessen Mikrotechne und sonstigen labyrinthischen Büchern.

Ob der Bibelkommentator Nicolaus de Lyra, der Astronom Ptolomäus, der Philosoph Aristoteles, der Jurist Bartolus, der Arzt Avicenna oder wie sie sonst heissen mögen: Alle Gelehrten haben von nun an den Paracelsus zu bewundern.

Auf beiden Seiten [des Paracelsus-Porträts] kannst Du die hinzugemalten Figuren betrachten, die Paracelsus selbst vor Jahren mit prophetischer Stimme auf unsere gegenwärtige Zeit geweissagt hat.

Das Doktorlein auf der linken Seite ist eines Auges beraubt; es trägt zwar Perlen und Gold, wird selber jedoch in Fesseln gehalten.

Auf der rechten Seite wunderst Du, Wiedergeborener, Dich über die medizinischen Bücher und Blätter, die wegen der darin enthaltenen mangelhaften Dogmen, zerfetzt [und zerstreut] worden sind.

Betrachte ferner das Wappen [des Paracelsus], das ohne Worte auf viele dem Sinn nach verborgene Sachen hindeutet:

Durch die dreifache Kugel der Welt und die acht Kreuze betrachte die geheiligten Blumen, die den kreisenden Gestirnen anhängen; und wie doch das edle Gestein oder die himmlisch dreifache Perle in der Mitte scheint.

Auf jedem Rand sind die frommen Sprüche und goldenen Worte zu lesen, die Paracelsus sein ganzes Leben lang im Geiste und im Munde zu führen pflegte.

Mit ihm als Führer wirst Du keineswegs vagabundieren, denn er lehrt uns, Gott und die Natur als einzige Lehrmeister zu haben.

Von Gott hat er den Anfang und auch das Ende seiner Lehre genommen, und ihm allein hat er sich und seine Schüler überlassen.

Die Heilige Bibel hat er als direkten Leitfaden für sein Schrifttum genommen, denn allein sie ist das Zeugnis eines frommen Geistes.

Unter ihrer Schale hat er die himmlischen Früchte recht erkannt, denn diese konnten seinen Augen nicht verborgen bleiben.

Dann hat er sich zu Gottes Schülerin, der Natur, gewendet und ist bis in die tiefsten Geheimnisse der Natur selbst gedrungen, die alles aus [den drei Grundsubstanzen] Merkur, Sal und Sulphur geschaffen hat.

So konnte er dank seiner Gelehrsamkeit und Kunst die vier Säulen der Wissenschaft richtig aufbauen, die er, als festes Fundament aus Stein, sämtlichen Weisen hinterlassen hat.

Ein jedes Ding, dessen Kenntnis erfreulich und von Nutzen, hat er uns durch den vollkommenen Glauben so leicht zu erlangen gelehrt, dass kein Zweifel mehr aufzukommen braucht.

Bei den Medikamenten hingegen hat er sich nicht auf den Glauben, sondern allein auf die Sinneswahrnehmung [d.h. auf das Experiment und die eigene Erfahrung] verlassen: Abgesehen davon hielt er stets an dem Grundsatz fest, wonach das Heil der Seele aus der Hoffnung und dem Glauben allein bestünde.

Wie ein treuer Machaon [Sohn des Äskulap und aus Homer bekannter Wundarzt] hat er die Völker und ihre Führer durch recht wirksame Medikamente von den Krankheiten geheilt.

Um es kurz zu sagen: Er war gelehrt und wahrheitstreu, in keiner Weise hochmütig und immer dazu bereit, die Armen kostenlos zu behandeln.

Treuherzig und gerecht, in den Sitten ohne Makel, hat Paracelsus nun den ganzen Weg eines lauteren Lebens mit Glanz absolviert.

So hört doch endlich auf, Ihr Auspeitscher des Theophrastus, diesen rechtschaffenen Mann mit Euren vipernhaften und schädlichen Mäulern zu zerreissen."

Auf Flöters überschwängliches Lobgedicht folgt dann das nüchternde Urteil des Sebastian Franck über Hohenheim aus der Chronica-Zeitbuch von 1531, das hier aus einer mir unbekannten Quelle Lateinisch wiedergegeben wird: Francks Originaltext hatte in der Ausgabe Ulm 1536, f. 279r, folgendermassen gelautet: "D. Theophrastus von Hohenheym/ eyn Phisicus vnd Astronomus: Anno M.D.XXIX. ist gemelter Doctor gen Nürnberg kummen/ ein seltzam wunderbarlich mann/ Der fast alle Doctores vnd Scribenten in Medicinis verlacht. Den Auicennam sol er verbrent haben z Basel in öffentlicher vniuersitet/ vnd allein schier wider all Medicos ist/ mit sein Recepten/ Judicijs/ Medicin/ vnd vil widersinns mit vilen helt. Deß practick schier wider all ist/ gleichsam ein ander Lucianus."

Aber auch um die entschiedenen Gegner zu Wort kommen zu lassen, setzte Quad unmittelbar danach ein abschätziges "Judicium' der etablierten Gelehrten über den Gotteslästerer und Magier, der sich erdreistet habe, sich den Namen Theophrastus (Gottesredner) zuzulegen: "Impius fuit et blasphemus in Deum (videatur Archidoxis magica, liber Azoth, et de efficacia charecterum) contumeliosus in naturam, omnium bonorum turpiset scurrilis calumniator (videatur Paragranum etc.) quare in numero Philosophorum et saniorum medicorum non est habendus" (Verrucht und frevelhaft Gott gegenüber war dieser Paracelsus (wie aus der Archidoxis magica und De efficacia characterum zu ersehen ist) und dazu noch ein Verspotter der Natur und ein schändlicher und hochstaplerischer Verleumder aller guten Autoren (wie sein Paragranum zeigt): Deswegen darf er auf keinen Fall in die Zahl der Philosophen und der rechtschaffenen Ärzte aufgenommen werden. Und sollte jemand von diesem meinem Urteil angeekelt sein, so soll er so lange schluchzen und sich übergeben, wie er sich der Lektüre der genannten Bücher des Paracelsus gewidmet hat. Denn nur auf diese Weise wird der vom paracelsischen Unrat verdorbenen Magen purgiert). Das Judicium endet mit einem Aufruf, die Anhänger des Paracelsus (grex Paracelsicus) von den Hochschulen fernzuhalten. Von wem dieses harte Urteil über Paracelsus stammt, hat uns Quad weder hier noch in der Teutscher Nation Herligkeitt von 1609, S. 69 f., mitgeteilt, wo er, wie wir oben gesehen haben, das Judicium in voller Länge erneut abgedruckt hat. Als Urheber des Judicium käme nur ein gewisser Nicolaus in Frage, der es (wegen dem Hinweis auf das Buch Azoth) erst nach dem Erscheinen der Basler Gesamtausgabe geschrieben haben muss.

Dann folgt, wiederum aus der Philosophia Magna von 1567, das Lobgedicht in 67 lateinischen Hexametern ("Ille ego qui tantas infracto pectore curas ..."), das der Freund von Petrus Severinus, Hans Philipsen du Pré aus Aarhus in Jütland, Paracelsus in den Mund gelegt hatte und dessen Überschrift und die letzte Strophe in der Übersetzung von R.H. Blaser (Paracelsus in Basel, 1979, pp. 187-192) lauten:

Theophrastus Paracelsus an den Liebhaber der Wahrheit:

" ... Dieses Geschlecht wird erhaben auf erhabenem Sitze den Paracelsus Platz nehmen lassen, hier wo ich nun den Göttern beigestellt Himmelsluft geniesse. Inzwischen habe ich auch der Erde Denkmäler meines Geistes hinterlassen, der mit herrlichen Namen zu dauerndem Triumphe geschmückt ist. Und nicht fern ist dieser Tag. Ich sehe schon der aufgehenden Morgenröte helle Strahlen am östlichen Himmel schimmern."

Als letztes Beispiel setzte Quad die schönen Verse, die, nach dem Bericht von Johann Arndt, Theodor Zwinger 1577 auf die Grabtafel des Adam von Bodenstein in Basel hatte einmeisseln lassen:

"Nec omnia, nec omnes mihi
Placuere. Quinam ego omnibus?
Non omnibus Cous senex,
Non Eremita spagirus.
Num tu, viator, omnibus?
Deo placere cura. Abi."
(Nicht alles und auch nicht jeder hat mir gut gefallen. Wer bin denn ich, dass ich allen gefallen sollte? Selbst dem Alten aus Coi [Hippocrates] hat es nicht an Widersachern gefehlt, geschweige denn dem spagyrischen Eremiten [Paracelsus]. Und Du, Wanderer, glaubst Du etwa allen gefallen zu können? Bemühe Dich vielmehr, Gott gefällig zu sein, und habe eine gute Reise).

Quad hat am Schluss einige Zeilen über Leben und Werk des Paracelsus hinzugefügt, die er zum Teil wörtlich aus J.J. Boissards Tafel zum Paracelsusbild in den Icones virorum illustrium von 1598 entnahm, und bezeichnete das Ganze als Ergänzung der Elogia auf dem von ihm selbst gestochenen Kupfer:

"Pauca haec tibi, amice lector, praeter ea quae formae aeneae a nobis incisa sunt, elogia hinc inde collecta communicare voluimus acriori ut judicio scripta huius viri perscrutarentur, qui uvtriusque Medicinae Doctor fuit inclytus, quam Basileae annis aliquot publico stipendio, maxima cum admiratione professus est; primus novae ac spagiricae auctor Medicinae, quam Archidoxis Theophrastiae alijsque libris editis propemodum infinitis, longe lateque disseminavit. Quin et Commentarijs in sacros libros, et praeterea quibusdam dogmaticis post se relictis passim cognitus. Eremitae sectator vitae, fine optato vitam cum morte commutavit". (Freundlicher Leser, ausser den Zeugnissen des Paracelsus, die wir auf der Kupferplatte gestochen haben, haben wir Dir auch die [am Rande gedruckten] Lobreden unterschiedlicher Provenienz mitteilen wollen, damit Du mit schärferer Urteilskraft die Schriften dieses Mannes durchforschest, denn er ist ein hervorragender Doktor beiderlei Medizin gewesen: Diese Medizin hat er zur grössten Bewunderung seiner Zuhörer einige Jahre lang in Basel auf Kosten der dortigen Behörden gelehrt. Als erster hat er die neue spagyrische Medizin entdeckt und diese durch seine Archidoxen der Theophrastia und seine sonstigen unzähligen gedruckten Bücher bis in die entfernsteten Regionen verbreitet. Auch mit seinen Kommentaren zur Bibel und mehreren von ihm hinterlassenen theologischen Schriften hat er sich bei den Kennern einen Namen gemacht. Am liebsten hätte er das Leben eines Einsiedlers geführt, als er aber sein gewünschtes Ziel erreichte, tauschte er das Leben mit dem Tode).

Am Ende der gedruckten Beiblättern steht das Impressum, das unsere Identifizierung des Flugblattes ermöglicht hat: "MATTHIAS QUADUS CAELATOR. NORIBERGAE. Sumtibus Balthasaris Camoxij. anno Salutis M D C V I."


Die textlichen und bildlichen Komponente im Kupferstich

Was den Kupferstich des "Caelator" d.h. des Graveurs Matthis Quad betrifft, so handelt es sich dabei, wie schon angedeutet, um eine veränderte und mit neuen Texten und Tafeln bereicherte Neuauflage von Jenichen's Radierung mit dem Paracelsusbildnis, die ihrerseits über den Birckmannschen Holzschnitt von 1567 auf denjenigen des Monogrammisten AH von 1540 zurückgeht.

Den lateinischen Titel mit dem Familiennamen auf der Randbordüre haben wir nach Colbergs Transkription bereits angegeben: "AVREOLVS PHILIPPVS THEOPHRASTVS PARACELSVS, EX FAMILIA BROMBASTORVM (sic) AB HOHENHEIM, PHILOSOPHVS, MEDICVS, MATHEMATICVS, CHIMISTA, CABALISTA, RERVM NATVRAE INDVSTRIVS INDAGATOR ALTERIVS NON SIT QVI SVVS ESSE POTEST LAVS DEO, PAX VIVIS, REQVIES AETERNA SEPVLTIS." Auf dem oberen Teil über den Mauerzacken steht der abgekürzte Titel auf Deutsch: "Der hochgelehrte und tiefsinnig naturkundiger Philippus Theophrastus von Hohenhaim, beider Arzteneien Doctor". Daneben über dem Geburtsdatum 1493 steht ein Satz, der in der Übersetzung lautet: "Die paracelsische Medizin habe ich entdeckt. Und zahlreiche heilige Schriften erweisen mich als Μυστην sacrorum, das heisst, als Eingeweihten in die heiligen Mysterien". Unmittelbar unter den Mauerzacken befinden sich zwei angebliche Prophezeiungen des Paracelsus, die hier als Erklärung der darunter liegenden Vignetten gestochen wurden und auf die wir unten noch zurückkommen werden. Die zwei magischen Zahlenquadrate entsprechen dem Sigillum Martis (Quersumme: 64) und dem Sigillum Jovis (Quersumme: 34) im 7. Buch der Archidoxis Magica, auch wenn hier die jeweils zu addierenden Zahlen eine andere Reihenfolge aufweisen. Das Jupiter-Siegel übrigens, wie Louise Gnädinger schreibt, hatte bereits auch Albrecht Dürer und zwar in der gleichen Form wie in der Archidoxis Magica für sein Blatt 'Melencholia I' (1514) verwendet. Neu auf dem Bild ist ebenfalls der dicke Folioband mit den Initialen P.T.B. (Philippi Theophrasti Biblia?) und dem Wort "Cabala" auf dem oberen Schnitt, worauf Hohenheim seinen rechten Arm stützt.

Das Wort AZOTH auf dem Schwertknauf war zuerst in der Vorlage von 1567 angewendet worden und bezeichnete nach Balthasar Flöter nicht allein die Ursubstanz "Mercurius", sondern auch den heiligen Namen des in der Knaufkugel enthaltenen Geheimmittels zur Überwindung von unheilbaren Krankheiten. In dem pseudoparacelsischen Liber AZOTH seu de ligno et linea vitae, den Huser im Appendix zum 10. Band der Basler Gesamtausgabe abdruckte, ist vom "Azot Mundi" oder "Mercurius" die Rede, der "den Ternarium Cabalisticum" in sich einschliesst und woraus dem Suchenden das "Arcanum Sanctum" oder die "Heiligkeiten aller Geheimnuß" offenbart werden. Die Buchstaben stehen hier auch für die doppelte Lebenslinie des Menschen: Die waagerechte Linie O ______ Z als Balken über der senkrechten Lebenslinie Δ ______ T ergibt das Zeichen T, das ist der Ternarius des Menschen, der nur durch den "Character Cabalisticus Naturae" -und zwar nicht in Worten, sondern nur im Verstand- begriffen und erfasst werden könne. Als "Urstufe der Metalle", "Tinctura Philosophorum oder Physicorum", "Göttliches Manna" usf. wurde dem Terminus AZOTH auch bei den praktischen Alchemisten so viel Bedeutung beigemessen, dass mehrere Bücher das Wort AZOTH als Titel führen. Ein Anhänger der Rosenkreuzer, der bekannte Astrologe und Kabbalist Paul Nagel, betrachtete das Wort Azoth als Kombination des lateinischen, griechischen und Hebräischen Alphabets: Aαא & Zωת und setzte es als Ausdruck sowohl der göttlichen Dreifaltigkeit wie auch der hermetischen Wesen-Dreiheit der ganzen Schöpfung.

Unter dem Spruch "OMNE DONUM PERFECTUM A DEO: IMPERFECTUM A DIABOLO", der in zahlreichen Porträts Hohenheims anzutreffen ist, befindet sich in der Mitte das bekannte Epitaph auf dem Grabstein des Paracelsus in Salzburg mit dem Hinweis auf die schweren Krankheiten, die er zu heilen vermochte, und der Erwähnung der testamentarischen Verfügung, seine Güter unter die Armen zu verteilen. Das deutsche Epitaph aus dem Jenichen-Blatt hat dann Quad an die sichtbaren Wände des Sarges angebracht:

"Zu Saltzburg ruh ich ohne klag,
vnd schlaef bis an den jungsten tag.
Alsdan wirdt Got mein grab entdecken,
Vnd mich zu ewiger frewd erwecken."
"
Gestorben anno 1541, den 24. Septemb. alt 48 jahr."

Von grösserem Interesse ist jedoch das auf beiden Seiten des Epitaphs gestochene Lobgedicht in Knittelversen über Leben, Werk, ausgestandene Kämpfe, Erfolge und Einfluss des verehrten Meisters, das Jenichen nicht nur gestochen, sondern, wie bei seinen übrigen Bildnissen, auch selber verfasst hatte.

"All Kunst vnd artzenej man findt
Beim Theophrasto so geschwindt, Als vor wol bej dreitausent jarn
Bej keinem menschen ward erfarn:
Als Pestiletz, Schlag, Fallendsucht,
Aussatz vnd Zipperlin verrucht,
Sampt andre kranckheit mancher art
Hat er geheilt der hochgelärt.
Wie Dürer in der Molerej,
So dieser in der Artzenej:
Vor vnd nach jhnen keiner kam,
Der Ihnn hierin den preis benam.
Must es darumb vom Teufel sein,
Dasselb sej fern, ach nein, ach nein.
Entdeckt der Künsten irthum all,
Missbrauch, abgangk und gantzen fall.
Ob er in Heilger Schrifft studiert,
Wirdt aus seinn büchern gnug probiert.
Dann aus seinn bej vierhundert schrifften
Lehrn Artzt, Theologen vnd Iuristen.
Was nur in Himml vnd Erden ist,
Wust dieser Doctor z'aller frist.
Doch war er feint der schwartzen kunst,
Die man Ihn bzichtigt aus vngunst.
Auch Philosophische stein hat gmacht,
Damit die menschen wider bracht
Vom doot. Darzu die grobn metall
Hat er fein säubern können all
In silber vnd rotes Golt:
Wer wölt nun solchen nicht sein holt.
Hat all sein gut den armen geben,
Got geb jhm jetzt das ewig leben."

Die ersten sechs in Kursiv gesetzten Verse stammen übrigens nicht aus dem Jenichen-Flugblatt, sondern aus dem Paracelsusporträt desselben Jenichen aus dem Jahr 1572.



Balthasar Jenichen, Paraselsusporträt. 1572

Bei den letzten zwei Versen in Kursiv handelte es sich hingegen wohl um einen Zusatz von Quad. Aus demselben Porträt von 1572 hat Quad offensichtlich auch den Spruch [1] Cor. 12 entnommen, den er unter die darunter folgenden Philosophischen und Biblischen Sprüchen Theophrasti gesetzt. (Die hier fehlende Ziffer [1] erklärt sich aus der Tatsache, dass dieses 1 in der Vorlage von 1572 auf der oberen Zeile "hängen" geblieben und deshalb beim Kopierensvorgang übersehen worden war).

Diese Philosophischen und Biblischen Sprüche dienten vor allen dazu, den von den Gegnern immer wieder verbreiteten Gerüchten entgegenzutreten, wonach Paracelsus ein Ungläubiger und Atheist gewesen wäre. Die Auswahl beginnt mit der Übersetzung der Sentenzen aus der Rahmenbordüre in der Form von Reimsprüchen:

"Eins andern knecht sol niemant sein / Der für sich bleiben kann allein. Got sej lob, fried den menschen nu / Den entschlafenen ein ewig rhu. All gute gaben sindt von Got, / Des Teufels aber sindt ein spot."

Folgen dann die vier Biblischen Sprüche aus der Kleinen Handt-Bibel von 1605, die schon Jenichen auf seinem Flugblatt gestochen hatte und auch der Psalmvers und die Stelle aus Hiob 19, die Jenichen über und an den Sarg hingekritzelt hatte. Nicht bei Jenichen waren hingegen das griechische Gedicht von Pierre Morel und dessen lateinische Übersetzung durch Gilles Pinaut unten an beiden Seiten des Paracelsuswappens. Dieses Gedicht würde auf Deutsch etwa lauten:

"O Griechenland, wenn Du einmal Dein Augenmerk auf dieses Bildnis des Paracelsus einmal richtest, so bedenke, dass Du einen Minister der Natur vor Dir hast. Die Weisheit und die Kunst [Athenes-Minerva], der so viele Griechen in der alten Zeit gehuldigt haben, begreift nun dieser deutsche Mann allein in sich. Wie ein zweiter Anacharsis, der seine Heimat aus Wissbegierde verliess, erreichte er die nördlichen Gefilde und hat mit seinem Genius die Errungenschaften der Griechen zur Vollkommenheit geführt. Dank seinen Schriften vermagst Du nun das Innerste der Erde zu erforschen und kannst zugleich bis zu den Tempeln des obersten Himmelsgewölbes emporsteigen. So wurden die Schätze des Himmels mit den Schätzen dieser Erde wie in einer Hochzeit vermählt, damit Du noch lange Jahre weiterleben kannst. Deshalb weigere Dich nicht länger, selber nach Paracelsus' Leitspruch zu handeln, denn eines anderen Knecht sollst Du nicht sein, der Du für Dich bleiben kannst allein".

Sowohl der griechische wie auch der lateinische Text stammen aus der Ausgabe von Paracelsus' De Vita longa durch Jacques Gohory von 1567, wie schon Jean Baptiste van Helmont 1607 feststellte, als er beide Gedichte samt dem Paracelsusbild und dem Wappen aus dem Quad-Flugblatt herausschnitt und auf die ersten Seiten eines Manuskripts klebte, das beim Inquisitionsprozess 1636 beschlagnahmt wurde und sich heute im Erzbischöflichen Archiv in Mechelen befindet: Eisagoge in artem medicam a Paracelso restauratam, Authore eiusdem Paracelsi sectatori Johanne Baptista De Helmont, secretioris filosofiae et arcanorum alumno, genialibus filiatris dictata.


Die imaginären Rosenkreuzer-Vignetten des Paracelsus-Porträts

Die Vignetten auf beiden Seiten des Paracelsusbildes scheinen hingegen van Helmont überhaupt nicht interessiert zu haben. Und er hätte sich bestimmt ausserordentlich gewundert, wenn ihm damals jemand das Märchen erzählt hätte, dass es sich ausgerechnet bei diesen von ihm in den Papierkorb weggeworfenen Vignetten um die erste historische Manifestation der Rosenkreuzer handeln würde. Er hätte ebenfalls über die Bezeichnung "Rosenkreuzerporträt" nicht wenig gestaunt, mit der später die von diesen Vignetten begleiteten Paracelsusbildnisse in die Geschichte eingehen sollten.

Das erste sogenannte Rosenkreuzerporträt war 1567 als Illustration der Astronomica et Astrologica und der Philosophia Magna bei Birckmann in Köln erschienen und verdankt diesen anspruchsvollen Namen allein der Fantasie des unermüdlichen Paracelsusforschers J. Strebel, der in den Abbildungen am Fenster nicht nur die ganze Symbolik der Rosenkreuzer erblickte, sondern diese Bilder auch als ausreichenden Beweis für seine Behauptung hielt, wonach die Rosenkreuzer viel älter seien als ihre Geschichtschreiber gewöhnlich angeben und wonach 1566 in Köln um den Verleger Theodor Birckmann und den Paracelsisten Balthasar Flöter eine Gruppe von Rosenkreuzern existiert habe! Nicht einmal E.D. Hauber war so weit wie Strebel gegangen, als er 1739 im sechsten Stück seiner Bibliotheca Magica das Quad-Flugblatt beschrieb und seine Vermutung äusserte, wonach der Inhalt der kleinen Vignetten "auf die Rosen=Creutz=Brüder ziele".

Walter Pagel hat 1962 als erster Strebels Folgerungen stark relativiert, indem er zwar zugab, dass die Bilder "auf den ersten Blick eine Assoziation mit den Rosenkreuzern hervorgerufen" und dass die Rosenkreuzer womöglich "auf das Porträt von 1567 zurückgegriffen haben". Aber zugleich schränkte er ein: "Freilich berechtigt dies in keiner Weise zu dem Kurzschluss, dass schon um 1567 'Rosenkreuzer' in einer geheimen Vor-form existierten". Die Behauptungen Strebels sind 1975 von Joseph B. Dallett erneut stark angezweifelt und 1982 von Hartmut Rudolph mit vielen Fragezeichen versehen worden. Aber auch wenn Rudolph das Entstehungsdatum unseres Flugblattes eher in die Jahre nach 1600 verlegt, hat auch er beide Blätter zu einem gemacht, dieses wiederum dem falschen Künstler (Franz Hoogenbergh in Köln) zugeschrieben und mit seinen aufgeworfenen Fragen zur Deutung der angeblichen "Rosenkreuzer"-Vignetten wohl mehr Verwirrung gestiftet als Lösungen angeboten.

Um es kurz zu sagen: Mit den historischen Rosenkreuzern haben weder das Paracelsusbildnis von 1567 noch die Flugblätter von Jenichen und Quad auch nur das Geringste zu tun. Damit ist aber nicht gesagt, dass die Rosenkreuzer nichts von Paracelsus hergeleitet hätten, denn das Gegenteil ist der Fall, wie wir gleich zeigen werden.

Die Vignetten auf beiden Fenstern links und rechts des Paracelsusbildes gehen bekanntlich auf die Figuren XVI und XXV der Prognostication auff XXIIII jar, bzw. auf die Prognosticatio ad vigesimum quartum annum, die beide noch zu Lebzeiten des Paracelsus 1536 in Augsburg erschienen sind.



Paraselsus, Prognostication. 1536

Das Bildchen des Gelehrten im verwirrten Geflecht, das in der Prognosticatio den handlungsunfähigen Zweifler darstellte, der sich im Seil-Gestrüpp der einseitigen Vernunft und freien Urteilskraft verwickelt hatte, wurde 1567 durch neue Elemente wie den goldenen Ring, die Perlenkette und das fehlende Auge bereichert.


Auf die Spekulationen von Strebel und auch von Pagel über die (dort angeblich abgebildete) Jakobsleiter, über das ausgesparte "cagastrische" Auge oder die "mystic monocularity" wollen wir nicht eingehen, da es sich bei all dem um allgemein hermetische und nicht um spezifisch rosenkreuzerische Elemente handelt. Übrigens hat der Herausgeber von 1567, Balthasar Flöter, in seinem damals mitabgedruckten Gedicht zum Bild die an sich einfache Lösung des ganzen Rätsels mitgeliefert:

"Ecce sinister ibi Doctorculus orbus ocello est
Gemmam aurumque gerens, hunc quoque vincla gerunt"
(Sieh auf der linken Seite, das Doktorlein ist eines Auges beraubt; er trägt zwar Perlen und Gold, wird selber jedoch in Fesseln gehalten).

Wie der Leser feststellen kann, geht Flöter kaum über die Deutung hinaus, die Paracelsus selbst dieser Figur gegeben hatte. Aus dem hier abgebildeten "Doctorculus" mit Strebel einen Adepten oder Rosenkreuzer machen zu wollen, wäre genau so abwegig wie Strebels Lesung der Unterschrift am Ende des Gedichts: "Philalethes Fr. R.C." (d.h. Frater Rosae Crucis!) anstatt des offensichtlichen "Philalethes f[ecit]" oder "B[altasar] F[loeter] S[aganus] S[ilesius] PHILALETHES f[ecit]" kritiklos hinzunehemen. Der unermüdliche Paracelsusforscher hätte sich und seinen Lesern viel erspart, wenn er das Gedicht, das Jenichen und Quad für dieses Bild gestochen haben, ganz einfach als Satire des Paracelsus auf die Gelehrten gelesen hätte:

"Der doctor in seim roten hutt,
Einäugig, flickt i[h]m selbst ein mutt
Mit paternostern, gulden ringen,
Vnd andern stoltzen dingen,
Steckt in dem labyrintischen strick,
Wed[e]r vor sich kan noch hinderrück,
Erstarret vber meine waff[e]n
Der siben stuck, gleich einem aff[e]n
Vnd der geschraubt meins schwertes knopf
Zerbricht sein hirn, vernunfft vnd kopf."

Es war vor allem die zweite Vignette mit dem Kindeskopf und den auf den Boden zerstreuten Schriften, welche die Assoziation mit den Rosenkreuzern hervorgerufen hat.


Denn hier ist nicht nur das Wort "Rosa" deutlich zu lesen, sondern man hat angeblich auch weitere Buchstaben ausgemacht, die einen scheinbaren Bezug auf die Rosenkreuzer rechtfertigen würden. Dem ist aber wiederum nicht so. Seit Strebel haben alle Forscher auf den auf dem Boden zerstreuten Schriftrollen und Urkunden im Bild von 1567 die Buchstaben "RX", "C", und "R Rosa" gelesen und diese fast ohne Ausnahme als rosenkreuzerische Symbole interpretiert. Ob den losen Buchstaben eine besondere Bedeutung zukommt, kann niemand mit Sicherheit behaupten, denn das angebliche "RX" auf der Rolle kann auch als Regnum Christi oder bloss als R[ecipe] oder R[esponsio] gelesen werden; das "C" auf dem Blatt unten rechts könnte Cabala, aber auch Canon (von Avicenna oder aus dem Corpus Iuris) bedeuten; und das erste "R" vor "Rosa" schliesslich ist eindeutig als die paleographische Abkürzung von R[esponsio] zu interpretieren. Als Abkürzung für Responsio oder Antwort haben es auf jeden Fall sowohl Jenichen wie auch Quad interpretiert (R °) und deshalb auf dem Spruchband neben dem aus der Erde auftauchenden Kindeskopf die Frage "WAS IST DAS" vorangestellt, um das Erstaunen "des Wiedergeborenen" über die auf den Boden zerstreuten medizinischen Bücher und Blätter zum Ausdruck zu bringen. Denn um Bücher und Blätter der Medizin handelte es sich doch, wie bereits J.B. Dallett in seiner Kritik an Strebel angedeutet hat, als er als erster auf den Zusammenhang von Flöters Gedicht mit unserer Vignette hinwies:

"A dextris Medicos Redivive librosque schedasque
tam laceras propter dogmata manca stupes"
(Auf der rechten Seite erstaunst Du, Wiedergeborener, über die medizinischen Bücher und Blätter, die wegen der darin enthaltenen mangelhaften Dogmen, zerfetzt (und zerstreut) worden sind).

Somit steht auch diese zweite Vignette nicht allzu fern von der Auslegung des Paracelsus zur XVI. Figur in der Prognostication von 1636. Der einzig bedeutende Unterschied in beiden Interpretationen besteht vor allem in der aktiven bzw. passiven Rolle des heranwachsenden Kindes. Während sich bei Paracelsus das Kind, "so er kommt in sein Alter", seiner bisherigen mangelhaften Arbeiten schämt und die Schulhefte zerreisst, als Illustration für die von ihm eingeleitete Abkehr der traditionellen Medizin und Wissenschaft verwendete, so kann Flöters "wiedergeborenes Kind" über die Masse von zerstreuten Büchern und Papierfetzen nur staunen. Und bevor dieses eine Frage formulieren kann, wird ihm mit dem Rosensymbol geantwortet: Diese Schriften enthalten so viele unsinnige Behauptungen, dass sie nur eines verdienen: sub Rosa, das heisst, mit einem grossen Schweigen übergangen zu werden.

Das Wort "Rosa" könnte man übrigens auch im Zusammenhang mit dem "Leid" der unterdrückten paracelsischen Bücher oder mit dem Sprichwort "Zeit bringt Rosen" sehen. Auf diese Weise sahen es jedenfalls Jenichen und Quad, da sie beide als Überschrift zu eben dieser Abbildung (oben links) folgenden Text einer angeblichen Prophezeiung des Paracelsus "Auf diese gegenwertige Zeit" gestochen haben:

"Nach meinem dot [Tod] bej 20 Iarn,
Werden beid alt und junk erfarn,
Was gwesen sei all meine kunst,
Die jetzuntz leidet aus vngunst.
Die warheit geben wirts an tag,
Was sie in jhr allzeit vermag.
Zerreissen wirt falsch arztzeney,
Darzu all andre stumplerei,
Dieweil man mein warhafte schrifften
Befindt von Erd vnd Himmels krefften."

Der Doctorculus oder das Doktorlein auf der linken und die zerrissenen Bücher voll falscher "Artzenei" auf der rechten Seite des Paracelsusporträts sind also negativ geprägte Bilder, und sie brauchen deshalb nicht nachträglich durch hermetische Interpretationen oder rosenkreuzerische Symbolik aufgewertet zu werden. Ähnlich wie bei den zeitgenössischen Bilddarstellungen der zwei Diebe auf beiden Seiten des gekreuzigten Christus hat man beide Vignetten im Hintergrund und in kleinerem Masstab gesetzt, wohl um den gewaltigen Kontrast zwischen dem "Doctorculus" und dessen überholten Büchern und Papierfetzen mit den Werken des "Doctor Doctorum doctissimus" Paracelsus auch optisch zu dokumentieren.

Denn der "neue Hermes" Paracelsus, wie Flöter in seinem Gedicht fortfuhr, habe nicht aus Büchern, sondern allein von den zwei besten Doktoren, nämlich aus Gott und der Natur gelernt, und deshalb sei es zum besten Führer all derer geworden, welche die Botschaft der Schrift richtig begreifen oder die tiefsten Geheimnisse der Natur durchdringen wollten:

"Hoc duce Naturam atque Deum sectabimur unos
Doctores, animum non vagabunde tuum.
A Jove principium, finem quoque duxit,
Commisit soli seque suosque Deo.
Directam ipse suis sacra Biblia fixit amussim
Scriptis: quae mentis sint monumenta piae.
Sub quorum aethereos perspexit cortice fructus:
Qui fructus oculos non latere suos.
Denique Naturae penetralia novit alumnae:
Quod de Alazothe, Sale et Sulphure cuncta creat.
Quattuor hinc docta bene condidit arte Columnas,
Omnibus has posuit, saxea fulcra, Sophis."
(Mit ihm als Führer wirst Du keineswegs vagabundieren, denn er lehrt uns, Gott und die Natur als einzige Lehrmeister zu haben. Von Gott hat er den Anfang und auch das Ende seiner Lehre genommen und ihm allein hat er sich und seine Schüler überlassen. Die Heilige Bibel hat er als direkten Leitfaden für sein Schrifttum genommen, denn allein sie ist das Zeugnis eines frommen Geistes. Unter ihrer Schale hat er die himmlischen Früchte recht erkannt, denn diese konnten seinen Augen nicht verborgen bleiben. Dann hat er sich zu Gottes Schülerin, der Natur, gewendet und ist bis in die tiefsten Geheimnisse der Natur selbst gedrungen, die alles aus [den drei Grundsubstanzen] Merkur, Sal und Sulphur geschaffen hat. So konnte er durch seine Gelehrsamkeit und Kunst die vier Säulen der Wissenschaft richtig aufbauen, die er, als festes Fundament aus Stein, sämtlichen Weisen zum Weiterbau hinterlassen hat).


Sogar das Wappen des Paracelsus auf dem Bild wird in diesem Sinne interpretiert:

"Per triplicem Mundi sphaerulam, et octo cruces
Orbibus affixos flores perpende sacratos:
Cur trifida in medio coelica gemma nitet."
(Durch die Betrachtung der drei Weltkugeln und der acht Kreuze sollen die an den Sternen fixierten Blumen der Heiligkeit verstanden werden und auch der Grund, weshalb eine dreifaltige Perle mitten im Himmel glänzt).

Über Flöters Verse auf das Wappen des Paracelsus sei hier auf den Aufsatz von Joachim Telle Paracelsus im Gedicht hingewiesen. Wie Telle gezeigt hat, wurden diese Verse auch ins Deutsche übersetzt und der Gemma Magica von Pseudo-Abraham von Franckenberg (d.h. vom R.C.-Autor Josephus Stellatus alias Christoph Hirsch) programmatisch vorangestellt:

"Diß Wappen ferner zeigt gar viel verborgne Sachen /
Geheimten Sinne nach / durch beyd Welt-Kugeln hier
Und den acht Creutzern an; betracht der Blumen Zier
Geheiligt und gehefft an denen Kreysen lachen!
Und warumb eben doch das edele Gestein/
Das himmlisch/ Dreigespitzt/ so in der Mitten schein?"

Christoph Hirsch war übrigens der Mann gewesen, dem Johann Arndt die Namen der tatsächlichen Verfasser der Rosenkreuz-Manifeste "sub rosa" anvertraut haben soll. Bereits 1618 hatte derselbe Hirsch unter dem Pseudonym Josephus Stellatus und dem Titel Pegasus Firmamenti die Pansophie der Rosenkreuzer als die echte Nachfolgerin der alten Weisheit der Ägypter und Perser bezeichnet und Theophrastus Paracelsus als den zweiten wahrhaftigen Interpret der Natur nach dem Ägypter Hermes gefeiert. Hier hatte Hirsch Hohenheims Wappen nicht nur kommentiert, sondern, da er damals die Kugeln für Rosen hielt, auch Paracelsus in direkten Zusammenhang mit den Rosenkreuzern gebracht:

"Etiamsi vero is membrum V[estrae] Fraternitatis R.C. non fuerit, praeclara tamen de illa vaticinia in suis insignibus et scriptis post se reliquit. Insignia ostendunt octo CRUCES cum Rosis, quibus personae octo hujus collegij initio erecti tacite notari videntur."
(Obwohl Paracelsus kein Mitglied Eurer Bruderschaft vom Rosenkreuz geworden ist, so hat er dennoch sowohl in seinem Wappen wie auch in seinen Schriften sehr präzise Weissagungen von ihr hinterlassen: Das Wappen zeigt acht KREUZE mit Rosen, wodurch stillschweigend die acht ersten Mitglieder Eures Collegii oder "Gebäu Sancti Spiritus" gemeint zu sein scheinen).

Wenn auch diese willkürliche Interpretation von Hohenheims Wappen mit der historischen Wirklichkeit wenig zu tun hatte, so traf Christoph Hirsch dennoch den Nagel auf den Kopf, als er unmittelbar danach Paracelsus als denjenigen bezeichnete, welcher den Weg für die von den Rosenkreuzern angestrebte "Allgemeine und General Reformation" gebahnt und vorgezeichnet hatte:

"Si igitur Theophrastus scribendo et curando morbos aliis incurabiles, seu desperatos felicissime, fenestram non patefecisset, hactenus Philosophiae correctioni, Arcana me hercle stupenda Ve: Societatis adhuc minus hodie locum invenirent: Quam ob causam, Fraternitas benedicta, ipsum vi summa tenebras perrumpentem, cum suo Fundatore in vocatione conferre minime veretur".
(Denn, gesetzt der Fall, dass Paracelsus durch seine Schriften und seine medizinischen Erfolge bei der Behandlung von unheilbaren Krankheiten das Fenster nicht aufgetan und die Reform der Wissenschaft nicht selber eingeleitet hätte, so würden sich die wahrhaft erstaunlichen Geheimnisse Eurer Gesellschaft in der gegenwärtigen Zeit als viel weniger wirksam erweisen. Dies ist der Grund, erleuchtete Bruderschaft, weshalb ich es für richtig halte, den mächtigen Bezwinger der Finsternisse Paracelsus mit Eurem Vater und Gründer auf die gleiche Stufe zu stellen).


Paracelsus und die historischen Rosenkreuzer

Was hat nun Paracelsus mit den Rosenkreuzern zu tun? So viel, dass man (wie einst Christoph Hirsch) behaupten kann, dass ohne Paracelsus und ohne die durch seine Lehre und Schriften entstandene Bewegung die Manifeste der Rosenkreuzer nicht zu dieser Zeit und auf jeden Fall nicht in dieser Form hätten geschrieben werden können.

Es fehlt natürlich nicht an Paracelsusforschern, welche die Beanspruchung Hohenheims durch die Rosenkreuzerbewegung für völlig unberechtigt halten. Dass man hingegen, je nach konfessionellem Standpunkt, den Paracelsus allzu oft innerhalb der Grenzen der katholischen oder der evangelischen und reformierten Kirche darzustellen pflegt, scheint viel weniger Widerspruch zu provozieren auch bei Leuten, welche die unversöhnliche Kritik Hohenheims an den "Mauerkirchen" sämtlicher Richtungen, wie etwa in dem radikalen De secretis secretorum theologiae, gelesen haben. Ganz anders lautete hingegen das Urteil von vielen Generationen von orthodoxen Theologen und Wissenschaftlern aller Art, die trotz ihrer konfessionellen Differenzen mindestens in einem Punkt völlig übereinstimmten: In der Beurteilung von Paracelsus als Ketzer und als dem eigentlichen Ursprung der ganzen rosenkreuzerischen und theosophischen Bewegung des 17. Jahrhunderts. Diese Tatsache im Namen eines modernen Religionsverständnisses zu bagatellisieren oder aus Paracelsus bloss wegen seinem testamentarisch verfügten kirchlichen Begräbnis einen altgläubigen Katholiken machen zu wollen, käme geradezu einer Geschichtsklitterung gleich.

Dass Paracelsus nach den anfänglichen Provokationen zu einem "Nicodemiten" wurde, der sich nach aussen zumeist still hielt, um sein philosophisches und theologisches Werk überhaupt vollenden zu können, hat er kurz vor seinem Tod in der abschliessenden Zusammenfassung seines theologischen Werks oder Prologus totius operis christianae vitae selber zugegeben: "Und wiewol der teil [d.h. die Partei der Vertreter der Mauerkirchen], so wider mich seindt, mich hoch gehindert, hat doch nit geschmäckt, was in meiner Feder gewesen ist. Mein mund hab ich zugehalten, darmit mir das wetter und der donder nit in acker schlüge. Darmit hab ichs hindurch bracht bis auf die Zeit und hab mich nit bekümbert umb sie". Und genau so wenig wird er sich wohl um die Salzburger "Mauerkirche" gekümmert haben, wo er begraben wurde. Wichtig für ihn war allein die Rettung seiner in Salzburg noch verbliebenen ungedruckten Schriften, und diese waren doch ein paar Seelenmessen wert!

Bei der aufmerksamen Lektüre der Fama Fraternitatis des löblichen Ordens des Rosenkreuzes von 1614 fällt dem Leser auf, dass von den unzähligen historischen Persönlichkeiten der gesamten Christenheit einzig und allein Theophrastus Paracelsus für würdig gehalten wurde, namentlich erwähnt zu werden. Denn "der gantzen Welt Harmonia" sei "gründlich" bei Theophrastus "zu finden", und obwohl er "in unsere Fraternitet nicht getreten, so habe er doch Librum M[undi] fleissig gelesen, und sein scharfes Ingenium dadurch angezündet".

Auffällig ist dort ausserdem, dass unter den aus der Rosenkreuz-Grabstätte namentlich aufgeführten Büchern (Liber T, Buch M, Büchlein Concentratum sowie die philosophischen Canons, das Itinerarium und die Vita des Ordensgründers Christian Rosenkreuz) auch das Vocabularium des erst 10 Jahre nach der Grabschliessung geborenen Theoph[rastus] P[aracelsus] ab Ho[henheim] vorhanden war. Dass Letzteres mit der bekannten Chronologie nicht in Einklang zu bringen war, hat damals natürlich jeder Leser sofort gemerkt, und so beeilten sich die Herausgeber der Fama von 1617, diesen Text mit dem Zusatz zu versehen: "Wiewohl Theophrastus angeregtes Vocabularium nit gemacht, sonder es auß der Fraternitet bekommen".

Dieser eigenmächtige Zusatz der Herausgeber von 1617 war vollkommen überflüssig. Denn was die Verfasser der R.C.-Manifeste mit der ehrenvollen Erwähnung des Paracelsus eigentlich bezweckten, war bestimmt nicht, eine einwandfreie Chronologie zu liefern, sondern vielmehr ihre Verbundenheit und Übereinstimmung mit der Lehre Hohenheims zu bezeugen. Genau dies hatte übrigens auch Johann Valentin Andreae getan, als er am sechsten Tag der Chymischen Hochzeit Christiani Rosencreuzt Anno 1459 der kryptographischen Datierung des Kessels mit der Asche des Königs und der Königin der Jahreszahl 1459 den Namen P[aracelsus] H[ohenheim] m[edicinae] d[octor] hinzufügte:


In seinen übrigen Schriften hat Andreae immer mit grossem Respekt von Paracelsus gesprochen und an einer Stelle der Mythologia Christiana von 1619 (VI 44) entpuppte er sich möglicherweise sogar als Kenner des oben besprochenen griechischen Gedichts auf dem Flugblatt von Matthis Quad. Denn er beschloss sein dort entworfenes Bild des Paracelsus, indem er die Göttin Fama die gleichen Gedankengänge aussprechen liess: "Dieser mein Olymp ist nur den grossartigen Geistern zugänglich, die ungeachtet der allgemeinen Meinung nach ihrem eigenen Wissen gelebt, gearbeitet und gewirkt haben. Ein solcher ist auch Theophrastus gewesen: nachdem er sich die gesamte traditionelle Gelehrsamkeit angeeignet hatte, wagte er es ganz allein, sie zu bekämpfen und dies ungeachtet ihrer zahlreichen Verteidiger mit solcher Kraft, dass er viele Schlafende aus ihrer Lethargie erweckte. Danach baute er eine neue Festung der Philosophie und der Medizin, die bis heute nicht erschüttert worden ist. Zu guter Letzt überschüttete er seinen Feind Galen [d.h. die traditionelle griechische und lateinische Medizin] mit so vielen neuen Gaben der Natur, dass dieser nicht anders konnte, als all diese Kräfte und Reichtümer zu akzeptieren".

Noch bessere Kenner des Paracelsus innerhalb von Andreaes Tübinger Freundeskreis, aus dem die Manifeste der Rosenkreuzer nun einmal entstanden sind, waren Christoph Besold und Tobias Hess. Während sich aber Besold in seinen politischen und philosophischen Schriften eher damit begnügte, den Paracelsus immer wieder zu Wort kommen zu lassen, war der praktizierende Chemiater Tobias Hess, den sowohl Andreae wie Besold als ihren geistigen Vater verehrten, nicht nur der Medizin und Naturphilosophie des Paracelsus, sondern auch dessen religiösen und chiliastischen Anschauungen ganz ergeben. Unter den 20 medizinischen Büchern, die nach Hess' Tod in seiner Bibliothek aufgefunden wurden, befanden sich ausser der Gesamtausgabe und den Chirurgischen Schriften des Paracelsus in Folio auch eine Ausgabe der Chirurgia Magna, die Cyclopädia Paracelsica Christiana (Strassburg 1585),die Idea Medicinae philosophicae des Severinus (Basel 1571), die Antimonschriften des Alexander von Suchten (Strassburg 1570, Basel 1575) und weitere Werke der Paracelsisten Ruland, Scheunemann oder der Unabhängigen Wecker, Fernel, Horst und Foreest. Befreundet war Hess übrigens auch mit dem bekannten Paracelsisten Oswald Croll und vor allem mit Johann Valentin Andreaes Vater, Johannes Andreae, und auch mit dessen Onkel, dem bedeutenden Alchemisten Antonius Frei. Hess selbst war bereits 1599 von der medizinischen Fakultät der Universität angeklagt worden, weil er sich "seit geräumiger Zeit" als Alchemist und "impii illius Paracelsi discipulus herfür gethan" hatte. Und noch im mutmasslichen Jahr der Entstehung der Fama Fraternitatis, 1609, wiederholten sich die Klagen der Tübinger Zunftmediziner gegen den Doctor Juris Tobias Hess, der ungeachtet der früheren Verbote weiterhin paracelsische Medikamente verabreichte und Lesungen aus den Schriften des Paracelsus in seinem Haus veranstaltete. Solch eine Ungeheuerlichkeit, so sagten die Ankläger, sei in keiner anderen Universität Deutschlands je geduldet worden, denn bereits Thomas Erastus habe gezeigt, was für "Magische, Teufflische, Gottslästerliche Sachen, neben seinem ungereimbten Medendi Methodo, diser Paracelsus hinderlassen".

Paracelsus war also bei der Redaktion der Fama Fraternitatis Pate gestanden. Dies erkannte gleich der erste Mann, von dem wir dokumentarisch wissen, dass er seit Dezember 1610 ein Manuskript der Fama in den Händen hatte: Adam Haslmayr. Der Tiroler Adam Haslmayr oder Haselmeier ist jedem wohlbekannt, der sich einmal für die Geschichte der Rosenkreuzer interessiert hat, denn er hatte als erster öffentlich auf die noch nicht gedruckten Rosenkreuz-Manifeste reagiert mit einer 1612 gedruckten Antwort An die lobwürdige Brüderschafft der Theosophen von RosenCreutz, weshalb er (wie auf dem Titelblatt der ersten Ausgabe der Fama Fraternitatis von 1614 zu lesen ist), "von den Jesuitern ist gefänglich eingezogen und auff eine Gallere geschmieden".

Hier hatte sich Haslmayr bei den ihm sonst unbekannten Rosenkreuzern für ihre "Theophrastiam und Gottes Geschenk" bedankt, denn er sah in ihnen "diejenigen, die nun von Gott erkoren seid, die ewige Theophrastiam und göttliche Wahrheit erweitern sollten, wunderbarlicher Weise bis hieher reserviert". Christian Rosenkreuz und Theophrastus Paracelsus hatten für Haslmayr den gleichen Zweck verfolgt und dementsprechend appellierte er an die Mitglieder der unsichtbaren Fraternität, sie sollten sich endlich zeigen, um der neuen Religion der "vangelischen Libertet, durch Theophrastum und Euch dieser letzten Welt fürgeschrieben", endlich zu dem erhofften Durchbruch zu verhelfen. Aber auch seine engsten Freunde hatte Haslmayr in einem Brief vom Dezember 1611 zu einer Antwort auf die Rosenkreuzer aufgefordert: "Respondirtt Ir Herren und Doctores, sonderlich die Gott ermahnett, auf das begern Famae Fraternitatis C.R., damitt wir diese leutt zue lehrer ain Mahl würdig weren zu haben, und die ergerliche böse Weldtt sehe die Magnalia und bekerett wurde, ... ob solchen leütten C.R., die da Theophrastiam reuelirten".

Diese Verbindung zwischen Paracelsus und den Rosenkreuzern war für die Zeitgenossen so offensichtlich, dass sich keiner - ob Befürworter oder Gegner - veranlasst sah, eine solche Verbindung beweisen zu müssen. Nachdem er seine begeisterten Kommentare zur Chymischen Hochzeit (1616) und zur Allgemeinen Reformation (1617) publiziert hatte, fand es der Hamburger Prediger Christoph Barbarossa alias Ratichs Brotoferr völlig normal, auch seine Apologie des Paracelsus unter dem Titel Theophrastus non Theophrastus als weiteren RC-Traktat herauszugeben. Und auch der gefährlichste Gegner der Rosenkreuzer, der konservative Wissenschaftler und bekannte Antiparacelsist Andreas Libavius, stellte von Anfang an diese Verbindung her, indem er schon seinem ersten Pamphlet gegen die Rosenkreuzer 1615 den allessagenden Titel gab: Exercitatio Paracelsica Nova de notandis ex scripto Fraternitatis de Rosea Cruce.

Von unberechtigter Vereinnahmung des Paracelsus durch die Rosenkreuzer kann also so wenig die Rede sein wie von unzulässiger Beanspruchung des Thomas von Aquin durch die Thomisten, von Calvin durch die Reformierten oder von Karl Marx durch die Marxisten. Die Manifeste der Rosenkreuzer sind von Leuten redigiert worden, die sich als Erben des Paracelsus betrachteten und zugleich als Glieder einer noch älteren hermetischen, mystischen und wissenschaftlichen Tradition, die, nicht zuletzt dank Paracelsus, zu Anfang des 17. Jahrhunderts eine epochale Wiedergeburt erleben durfte. Deshalb hat sich die Bibliotheca Philosophica Hermetica seit ihrer Gründung auch für das Erstehen von Werken des Paracelsus interessiert in einem Masse, von dem die gegenwärtige Ausstellung sichtbares Zeugnis ablegt.


Literatur:

Aberle, Karl: Grab-Denkmal, Schädel und Abbildungen des Theophrastus Paracelsus I-III, in: Mittheilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 27, 1887, S. 1-74; 28, 1888, S. 269-355; 31, 1891, S. 1-226. (Bes. II, 320-321, 336-339; III, 41-47, 135). Zu bemerken wäre noch, dass Aberle (III, 39) J.B. van Helmonts Manuskript von 1607 mit dem ausgeschnittenen Porträt [aus dem Kupferstich Quads] doch erwähnt hat. Da er aber nur über die Beschreibung von C. Broeckx verfügte, so hat Aberle ein neues Bild des Paracelsus (51.-51/1.) daraus gemacht und es dem Stecher Claas Jansz. Visscher zugeschrieben.

Adelung, Johann Christoph: Geschichte der menschlichen Narrheit; oder, Lebensbeschreibungen berühmter Schwarzkünstler, Goldmacher, Teufelsbanner, Zeichen- und Liniendeuter, Schwärmer, Wahrsager, und anderer philosophischer Unholden, Leipzig, Weygand, 1785-1789 (zitiert wird aus Teil 7, "Th. Paracelsus, ein Kabbalist und Charlatan", S. 286).

Andresen, Andreas: Der Deutsche Peintre-Graveur oder die deutschen Maler als Kupferstecher nach ihrem Leben und ihren Werken, Leipzig, R. Weigel, 1864-1866 (zitiert wird Bd. 2, "Balthasar Jenichen', S. 118-203, bes. 130 und 136f.).

Benzing, Josef: Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebiet, Wiesbaden, Harrassowitz, 1982.

Benzing, Josef: Die deutschen Verleger des 16. und 17. Jahrhunderts: eine Neubearbeitung. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens 18 (1977), Sp. 1077-1322.

Blaser, Robert-Henri: Die Quelle des Paracelsischen "Alterius non sit", in: Ebenda, VI, 1952, S. 1-9. (Auf S. II Abbildung von Quad's Stich als "von Balthasar Jenichen, entstanden vor 1565"); Neudruck in: Derselbe, Paracelsus in Basel, Muttenz-Basel 1979, S. 9-19 mit der gleichen Abbildung, jetzt als "B. Jenichen's Einblattholzschnitt aus dem 16. Jahrhundert".

Boissard, Jean Jacques: Icones Quinquaginta virorum illustrium doctrina et eruditione ad vivum effictae, cum eorum vitis [...] Omnia recens in aes incisa [...] per J.T. de Bry, vol. I-IV, Frankfurt, Theodorus de Bry, 1597-1599.

Braun, Lucien: Paracelsus. Alchimist - Chemiker. Erneuerer der Heilkunde. Eine Bildbiographie, Luzern 1988 (S. 133: Reproduktion von Quad's Stich mit der Bemerkung: "Flugblatt eines anonymen Kupferstechers des 17. Jahrhunderts. Es handelt sich um eine von mehrerern [?] erweiterten und veränderten Neufassungen eines Flugblattes, das schon 20 Jahre nach Paracelsus' Tod, um 1560 [?], in Umlauf kam").

Brinckmann, Donald: Augustin Hirschvogel und Paracelsus, (Paracelsus-Schriftenreihe der Stadt Villach, VI), Klagenfurt 1957 (S. 17, Abbildung des Jenichen-Flugblatt "vor 1565").

Broeckx, Corneille: Le premier ouvrage de J.-B. van Helmont, Seigneur de Mérode, Royenborch, Oirschot, Pellines etc. Publié pour la première fois, in: Annales de l'Académie Royale d'Archéologie de Belgique, Anvers, 10, 1853, S. 327-392 und 11, 1854, S. 119-191 (S. 337: "Le manuscrit, qui fait le sujet de cette notice, est un volume in quarto, d'une écritüre serrée, contenant 158 pages et entourée d'une demie reliure portant au dos: Helmontii eisagoge in artem medicam MSS. Il est divisé en quinze chapitres et se termine par un épilogue. Sur la première page on voit le portrait gravé de Paracelse, tiré d'une édition de ce médecin [in Wirklichkeit aus Quads Kupferstich herausgeschnitten]. Au-dessous on lit: Epitaphium ejus quod Salisburgi ... cum morte mutavit").

Colberg, Ehregott Daniel: Das Platonisch-Hermetisches Christenthum, Begreiffend Die Historische Erzehlung vom Ursprung und vielerley Secten der heutigen Fanatischen Theologie, unterm Namen der Paracelsisten, Weigelianer, Rosencreutzer, Quäcker, Böhmisten, Wiedertäuffer, Bourignisten, Labadisten, und Quietisten, Frankfurt und Leipzig, 1690-1691. (zitiert wird Teil 1, S. 181).

Dallett, Joseph B.: Hohenheims Labyrinth: Bilder der Resonanz, in: Paracelsus Werk und Wirkung. Festgabe für Kurt Goldammer zum 60. Geburtstag, hg. S. Domandl, Wien 1975, S. 29-43.

Fellmeth Ulrich / Kotheder, Andreas: Paracelsus, Stuttgart 1991 (S. 8: Abbildung von Quad's Stich als von einem unbekannten Kupferstecher des 17. Jahrhunderts.) Nicht gesehen.

Geerk, Frank: Paracelsus - Arzt unserer Zeit: Leben, Werk und Wirkungsgeschichte des Theophrastus von Hohenheim, Zürich, Benzinger, 1992 (Abbildung von Quad's Stich).

Gilly, Carlos: Adam Haslmayr (1562-1631). Der erste Verkünder der Rosenkreuzer. Mit der Faksimile-Wiedergabe der 'Antwort an die lobwürdige Brüderschafft der Theosophen vom RosenCreutz' aus dem Jahre 1612 und dem Verzeichnis von Haslmayrs Werken im 'Nuncius Olympicus' von 1626, Amsterdam, In de Pelikaan - Stuttgart, Frommann-Holzboog, 1994.

Gnädinger, Louise: Paracelsus, der Magier vom Etzel. Deutungsversuch eines Flugblattes (Anfang 17. Jahrhunderts), in: Nova Acta Paracelsica, N.F. 6, 1991-1992, S. 2-20 (Abbildung von Quad's Stich nach dem Exemplar in der ZB Zürich: "anonym", "nicht vor 1606". Obwohl der ganze Aufsatz ausschliesslich der Beschreibung unseres Flugblatts gewidmet ist, sind ihre Ergebnisse weit hinter den Ausführungen ihrer Vorgänger zurückgeblieben. Dies ist um so erstaunlicher, als die Verfasserin beide Blätter voneinander unterschied und, im Anschluss an Aberle und Silber, noch von einem "1606 von Matthias Quad in Nürnberg verlegten Flugblatt" sprach. Bei der Interpretation der "Rosenkreuzer"-Vignetten hat sie die Phantasien von Strebel für bare Münze genommen).

Hannesschläger, Ingonda: Das Porträt - Ein authentisches Abbild? Zur bildlichen Darstellung des Paracelsus seit dem 16. Jahrhundert, in: Heinz Dopsch, Kurt Goldammer und Peter F. Kramml (Hg.) Paracelsus (1493-1541). "Keines andern Knecht ...", Salzburg 1993, S. 375-394, bes. 382 f. (Reproduktion des Jenichen-Flugblatts als Abb. 6 und von Quad's Stichs als Abb. 214 jeweils mit Aberle's Zuschreibungen - "vor 1565", "Abraham Hohenberg, vor 1606" -, die jedoch mit einem Fragezeichen und dem Zusatz versehen werden, "was künftig nochmals zu überprüfen wäre").

Hauber, Eberhard David: Bibliotheca, Acta et Scripta Magica. Nachrichten, Auszüge und Urtheile von solchen Büchern und Handlungen, Welche die Macht des Teufels in leiblichen Dingen betreffen, Lemgo, J.E. Meyer, 1738-1745. (zitiert wird das 6. Stück, 1939, S. 367-378: "Anmerckung zu dem Portrait vor dem sechsten Stück").

Hintermeier, Ernst (Hg): Salzburg zur Zeit des Paracelsus. Musiker, Gelehrte, Kirchenfürsten. Katalog zur 2. Sonderausstellung 'Musik in Salzburg zur Zeit des Paracelsus', Salzburg 1993, S. 202-203: Beschreibung des Flugblatts auf Paracelsus von Balthasar Jenichen durch P.F. Kramml, "soll vor 1565 entstanden sein".

Hirsch, Christoph]: GEMMA MAGICA oder Magisches Edelgestein, Das ist Eine kurtze Erklärung des Buchs der Natur/ nach dessen sieben grösten Blättern/ auff welchem beydes die Göttliche und Natürliche Weißheit/ Durch Gottes Finger hinein geschrieben/ zu lesen ist: geschrieben von Abraham von Franckenberg, Amsterdam 1688 (Rückseite des Titelblattes: Flöters Verse auf das Wappen von Paracelsus).

[Hirsch, Christoph]: Pegasus Firmamenti sive Introductio Brevis in Veterum Sapientiam. quae olim ab Aegyptis et Persis MAGIS; hodie vero a Venerabili Fraternitate Roseae crucis PANSOPHIA recte vocatur, in Piae ac Studiosae Juventutis gratiam conscripta a Josepho Stellato, Secretioris Philosophiae alumno, o. O., 1618. (Bl. C1r-v: Rosenkreuzerische Auslegung des Wappen des Paracelsus).

Hollstein's German Engravings, Etchings and Woodcuts 1400-1700, Bd. XV B, ed. Tilman Falk, comp. Robert Zijlma, Blaricum, A.L. van Gendt B-V., 1986, S. 65 und 78.

Jacobi, Jolan: Theophrastus Paracelsus. Lebendiges Erbe, Zürich und Leipzig, Rascher Verlag, 1942 (S. II: Abbildung von Quad's Stich als "Kupferstich von Augustin Hirschvogel, 1538").

Jenichen, Balthasar: Bildnüss und Abcontrafactur etzlicher Vornemer Gelerten Menner, durch welche Gott aus sonderbarer gnade die rechte reine Warheit des h. Evangelii zu diesen unsern letzten zeiten an tag hat kommen lassen, Dresden 1588

Kaiser, Ernst: Paracelsus, Rowohlt-Bildmonographie 149 (1969) (Auf S. 121 Abbildung von Quad's Stich als von Jenichen und vor 1565).

Karl Anton Nowotny (hg.), Henricus Cornelius Agrippa ab Nettesheim, De occulta Philosophia, Graz 1967 (auf S. 109: Abbildung von Quad's Stich mit der Legende "Flugblatt für Paracelsus von Balthasar Jenichen aus der zeit vor 1565. Erster Beleg für das am Schwertknauf angebrachte Wort 'Azoth', sein zeichen für 'mercurius'").

Mahal, Günther: Faust. Die Spuren eines geheimnisvollen Lebens, Bern und München 1980 (S. 171: Abbildung von Quad's Stich als "Flugblatt von Balthasar Jenichen vor 1565").

Merlo, Johann Jacob, Kölnische Künstler in alter und neuer Zeit, 1895 (vgl. Deutsches Biographisches Archiv, Mikrofiche 989, S. 12-30) (bisher beste Information über Matthis Quad, jedoch ohne Erwähnung unseres Flugblatts).

Mortzfeld, Peter: Katalog der graphischen Porträts in der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel: 1500-1850, Bd. 18, München, Saur, 1991.

Murr, Christoph Gottlieb von: Litterargeschichte des Theophrastus Paracelsus, in: Derselbe, Neues Journal zur Litteratur und Kunstgeschichte, Zweyter Theil, Leipzig, in der Schäferischen Buchhandlung, 1799, S. 176-285. (zitiert wird das Kapitel "Bildnisse des Paracelsus", S. 249-252).

Netzhammer, Raymund: Theophrastus Paracelsus. Das Wissenwerteste über dessen Leben, Lehre und Schriften, Einsiedeln 1901 (S. 128: Abbildung von Quad's Stich mit der Bemerkung "vor 1606" nach Aberle).

Pagel,Walter: Das Medizinische Weltbild des Paracelsus. Seine Zusammenhänge mit Neuplatonismus und Gnosis (Kosmosophie, hg. von K. Goldammer, Bd. 1), Wiebaden 1962 (auf S. 143 Vergrösserung der "Rosenkreuzer"-Vignetten aus dem Bild von 1567).

Pagel,Walter: Paracelsus. An Introduction to Philosophical Medicine in the Era of the Renaissance, Basel/New York, Karger, 1958; 2nd., revised edition, Ebenda, 1982.

Paracelsus, Theophrastus: Astronomica et Astrologica [... Opuscula aliquot, jetzt erst in Truck geben, vnd nach der Vorrred verzeichnet, Köln, 'bey Arnoldo Byrckmans Erben', 1567.

Paracelsus, Theophrastus: Paramirum, hrg. von W.M. Riegel, München 1985 (S. 57: Abbildung von Quad's Stich). Nicht gesehen.

Paracelsus, Theophrastus: Philosophiae Magnae [...] Collectanea quaedam, quorum summarium post Apologiam inuenies, ed. Gerard Dorn, Basel, Pietro Perna, [1569].

Paracelsus, Theophrastus: 'Prologus totius operis christianae' (Vorwort zu De secretis secretorum theologiae christianae) in: Paracelsus, Sämtliche Werke. Zweite Abteilung: Theologische und religionsphilosophische Schriften, hg. Kurt Goldammer, Bd. III: Dogmatische und polemische Einzelschriften, Wiesbaden, Franz Steiner, 1986, S. 167-231.

Paracelsus: Aureoli Theophrasti Paracelsi [...] Kleine Hand-Bibel und Einführung, oder Lehr zum Ewigen Leben [...], ed. Johann Thölde, Lich, Wolfgang Ketzel, 1605

Paracelsus: Theophrasti Paracelsi Philosophiae et Medicinae utriusque universae Compendium, ex optimis quibusque eius libri: Cum scholiis in libros IIII eiusdem De Vita Longa, plenos myteriorum, parabolarum, aenigmatum. Autore Leone Suavio [Jacques Gohory], Paris, Rovillius, [1567].

Peters, Hermann: Der Arzt und die Heilkunst in der deutschen Vergangenheit, Jena, Diederichs, 1924 (S. 92: Abbildung von Quad's Stich). Nicht gesehen.

Ploss, Emil Ernst; Schipperges, Heinrich et alii, Alchimia. Ideologie und Technologie, München 1970, (S. 109 Abbildung von Quad's Stich als "Flugblatt von Balthasar Jenichen aus der Zeit vor 1565").

Quad von Kinckelbach, Matthis: Die Jahr Blum | Welch da begreifft vnd in sich helt | Fast alle Iahren dieser Welt | Namhafft Personen, Stedt vnd Lant | Hieraus dir werden mit bekant | Jn guter ordnung (auch mit fleis | Gantz kurtz gefast) vnd reimen weis | Vil mercklich thaten vnd geschicht | Durch Matthis Quaden zugericht. Natura - Lex- Evangelium. [Köln], In Verlegung Joh. Bussemechers, 1595 (Mikrofilm in: Harold Jantz, German Baroque Literature, Nr. 166, reel 34.) Historische Chronologie in Versform: Zum Jahr 1493 heisst es z.B.: "Der Paracelsus wirdt geborn / Ein arzt vnd Meyster außerkorn".

Quad von Kinckelbach, Matthis: Teutscher Nation Herligkeitt. Eine außfuhrliche beschreibung des gegenwertigen/ alten/ vnd vhralten Standts Germaniae. nemlich jhr erstes auffkomen/ zunemen/ vnd jetzige gelegenheit der Regierung vnd Herrschung/ Stett/ Policey/ Kirchenstandts/ Flecken/ Schlösser/ Dörffer/ Fruchtbarkeit der Velder/ Berge/ Wäld/ Flüß/ vnd Lachen, Gedruckt zu Cölln am Rhein, Jn Verlegung Wilhelm Lutzenkirchen, 1609 (Mikrofilm in: Harold Jantz, German Baroque Literature, Nr. 167, reel 34).

Rudolph, Hartmut: Bemerkungen zum sogenannten Jenichen-Flugblatt, in: Nova Acta Paracelsica, IX, 1977, S. 205-211.

Silber, Max, Der große Arzt Paracelsus in seinen Bildnissen und Schriften. Sonderausstellung im Städtischen Museum Salzburg, in: Salzburger Museumsblätter 16 (1937), Nr. 3/4, (Sp. 3-4: Beschreibung des Jenichen-Flugblatts und von Quad's Stich). Nicht gesehen.

Spunda, Franz: Das Weltbild des Paracelsus, Wien 1941 (S. 113: Abbildung von Quad's Stich, "Flugblatt auf Paracelsus").

Spunda, Franz: Paracelsus, Wien-Leipzig 1925 (S. 168f. Abbildung von Quad's Stich, "Flugblatt auf Paracelsus"). Nicht eingesehen.

Stange, Albert: Die Zeitalter der Chemie im Wort und Bild, Leipzig 1908 (S. 72: Abbildung von Quad's Stich). Nicht gesehen.

Strebel, Joseph: Azoth, in: Ebenda, IV, 1947, S. 55-68.

Strebel, Joseph: Paracelsus und die Rosenkreuzer. Mit Beiträgen zur Abklärung des Geburtsjahres und des Gestaltwandels der sogenannten authentischen Hirschvogel-Porträts von Paracelsus sowie zur Entstehungsgeschichte der Rosenkreuzer, in: Nova Acta Paracelsica, III, 1946, 110-132.

Strebel, Joseph: Über Entstehung und Bildkomponenten des sog. Rosenkreuzerporträts Hohenheims des kölnischen Byrckman-Holzschnittes von Franz Hoghenberg 1567, in: Ebenda, IV, S. 122-127.

Strebel, Joseph: Über die kölnischen Frühdrucke paracelsischer Schriftwerke der Offizin Arnoldi Byrckmans Erben 1564/67, Ebenda, IV, S. 112-121.

Sude, Hermann: Der gelehrte Criticus über allerhand curieuse Dubia und Fragen aus der Historia Politica, Ecclesiastica et Literaria, dritter Theil, Leipzig 1706 (S. 997-1019, für die biographischen Daten zu seiner 68. Frage ("Was Theophrastus Paracelsus für ein Mann gewesen?") hat Sude ganz besonders die Teutscher Nation Herrligkeitt von Matthis Quad benutzt).

Sudhoff, Karl: Bibliographia Paracelsica. Besprechung der unter Hohenheims Namen 1527-1893 erschienenen Druckschriften, Berlin 1894 (Neudruck Graz 1958), passim.

Telle, Joachim: Johann Huser in seinen Briefen. Zum schlesischen Paracelsismus im 16. Jahrhundert, in: Parerga Paracelsica. Paracelsus in Vergangenheit und Gegenwart, hrsg. von Joachim Telle, Stuttgart 1991, S. 158-248 (163f. über Flöters Gedicht).

Telle, Joachim: Paracelsus im Gedicht. Materialien zur Wirckungsgeschichte Theophrasts von Hohenheim im 16. und 17. Jahrhundert, in: Fachprosa-Studien. Beiträge zur mittelalterlichen Wissenschafts- und Geistesgeschichte, hrsg. von Gundolf Keil, Berlin 1982, S. 552-573 (569f. über Balthasar Flöter und das von ihm verfasste Gedicht "In Theo[phrasti] Paracelsi icona, carmen").

Theophrastus Paracelsus 1493-1541. Salzburg 1941 (S. 64: Abbildung von Quad's-Stich als "von Balthasar Jenichen vor 1565").

Wissende, Eingeweihte und Verschwiegene. Esoterik im Abendland [Katalog einer Ausstellung in der Zentralbibliothek Zürich], Zürich 1986 (S. 48f.: Abbildung von Quad's Stich, "nicht vor 1606", "abgeänderte Version des vor 1565 gestalteten Flugblattes von Balthasar Jenichen").

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Last modified: Aug 14, 2003

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